America First, USA not!

Entgegen der landläufigen Ansicht stammen die St Patrick's Day Paraden nicht aus Irland. Doch auch wie so mancher Kenner meint, liegt ihr Ursprung genau genommen nicht in den USA! Hier die ganze Geschichte


Was den Ursprung der St Patrick's Day Paraden angeht, steht so manches Kopf. Zumindest gibt es Erstaunliches zu berichten. Die erste Parade fand bereits 1737 in Boston statt, das bis heute neben Chicago und New York zu den amerikanischen Saint-Patrick's-Day-Hochburgen gehört. Das eben erwähnte New York - in deren Hafen damals die meisten Einwanderer ankamen - zog erst fast 30 Jahre später nach: nämlich 1766. Heute mag das als ein großer zeitlicher Abstand erscheinen. Aber die Mühlen mahlten früher eben langsamer.

Beispielsweise benötigte man zur Ratifizierung der ersten amerikanischen Verfassung noch lange vier Jahre. Und die war nicht einmal besonders gelungen. Schon sechs Jahre später legte man deswegen nach und verabschiedete 1786 in Philadelphia die zweite Version. Und dieses Mal war das Ding ein Hit. Bis heute ist sie mit kleineren Zusätzen in Kraft. Als Gründungsjahr der USA gilt dennoch 1776, dem Jahr der Unabhängigkeit von Großbritannien. Sieht man sich die Jahreszahlen an, zeigt sich, dass die ersten St Patrick's Day Paraden in Boston und New York schon vor der Gründung der USA über die Bühne gegangen waren. Falls jemand vor hat, demnächst mal richtig klugzuscheißen, dürfte er hier geeignete Informationen gefunden haben.

Besonders heikel scheint dabei der Umstand, dass das von den Engländern dominierte Großbritannien damals den Iren der Erzfeind schelchthin war. Hatte es doch deren Land besetzt und herrschte darüber mit nicht immer - mal vorsichtig ausgedrückt - besonders zuvorkommenden Methoden. Nicht zuletzt wegen dieser Verhältnisse wanderten viele Iren aus. Da liegt die Vermutung nahe, sie wären in der fernen Kolonie den vormaligen Unterdrückern gehörig auf der Nase herumgetanzt, indem sie ihre Herkunft mit Marschmusik und grünen Zylinderhüten zelebrierten.

Aber die Situation damals war doch etwas anders. Die Auswanderernationen bildeten in den Kolonien zwar eigne Communities, die deren Mitglieder Schutz und Heimat boten. Doch im Kampf um Land, Ressourcen, Arbeit und Absatzmöglichkeiten konnte trotzdem keiner drauf verzichten, die Methoden von anderen zu übernehmen, wenn sie erfolgreicher waren. Viel Platz für Nationalismen gab es also nicht. Außer sie waren ideeller Natur, wie religiöse oder kulturelle Brauchtümer. Und auch die wurden den neuen Erfordernissen angepasst. So kam es den Iren in der neuen Welt auch nicht in den Sinn, den Prozessionen der Italiener irgendwie nachzustehen und sie zogen zum Saint Patrick's Day selber durch die Straßen.

Die Engländer dagegen hatten ganz andere Sorgen. Ihnen wäre es sicher lieber gewesen, wenn die Einwanderer sich mehr im Konkurrenzkampf aufgerieben hätten. Denn gegenüber den Statthaltern und der Politik im fernen London erwiesen sie sich oft als einig und äußerst aufmüpfig, besonders wenn die Kolonialmacht von ihnen Zölle und Steuern zu erheben versuchte. Lange schwelten die Konflikte an der Ostküste. Bis schließlich 1773 Bürger in Boston als Indianer verkleidete den Hafen stürmten und den Tee der staatlichen britischen East India Trading Company ins Hafenbecken kippten.

Heute ist das Ereignis als die Boston Tea Party bekannt. Ob es als Inspiration für die Iren diente, später an ihrem Nationalfeiertag grüne Farbe in Gewässer zu kippen, ist nicht bekannt. Jedenfalls war es der Anfang vom Ende der britischen Herrschaft über Amerika. Und für einen Iren ist das ein freudiges Ereignis. Die Verwandtschaft in Europa erreichte die Unabhängigkeit erst 145 Jahre später, also 1921. Und auch die Saint Patrick's Day Umzüge nach amerikanischer Art kamen etwa zu dieser Zeit nach Irland, genau genommen sogar schon ein ganz kleines bisschen früher.

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